Am Mittwochmorgen machte ich mich bereit für den Weg nach Sevilla und ging in das gleiche Café wie am Vortag, um das Frühstück zu nehmen. Dort sagte mir das freundliche Personal, dass beide Brücken in Richtung Jerez de la Frontera (meine erste Zwischenstation auf dem Weg nach Sevilla) leider für Fahrräder gesperrt seien. Ich musste also entweder einen grossen Umweg nehmen und dazu den gleichen Weg zurückfahren, den ich bereits genommen hatte, um nach Cádiz zu gelangen, oder den Zug nehmen. Ich entschied mich für die zweite Option, auch weil mir das erlaubte, die lange Strecke etwas zu verkürzen. Die Züge in Spanien kann man bezüglich Fahrrad-Mitnahme landesweit in ungefähr drei Kategorien einteilen:

  1. Fernzüge, wo man das Fahrrad nur in einer Radtasche zerlegt mitnehmen kann (also sehr unpraktisch)
  2. Mittel-Distanz-Züge, wo man das Rad unzerlegt mitnehmen kann, aber reservieren muss (einigermassen praktisch, aber nicht perfekt)
  3. Kurzdistanz-Züge, wo man das Rad ohne Reservation und kostenfrei (sofern die Strecke unter 100 Kilometer lang ist) mitnehmen kann.

Der Bahnhof in Jerez de la Frontera ist, wie viele Bahnhöfe in Andalusien, schön, sauber und kunstvoll dekoriert

Der Zug nach Jerez de la Frontera war ein Kurzdistanz-Zug, so dass die Fahrradmitnahme sehr praktisch und unkompliziert war. In Jerez de la Frontera überprüfte ich die weitere Route nach Sevilla nochmals genauer und fand heraus, dass es im Wesentlichen nur die Wahl zwischen zwei Autobahnen (die natürlich ein Fahrradverbot haben) oder Feldwegen in flachen, monotonen Reis-Anbaugebieten gibt. Ich entschied mich also, den Mittel-Distanz-Zug nach Sevilla zu nehmen, was ebenfalls dank schneller Reservation am Schalter sehr praktisch ging. Wenn ich schon eine praktische, schnelle und günstige Zugverbindung hatte, weshalb würde ich sie nicht nehmen? Auf eine anstrengende und uninteressante Fahrt hatte ich nun wirklich keine Lust. Man muss ja nichts “durchstieren”! Vor allem nicht, wenn man in eine Stadt geht, wo es echte Stierkämpfer gibt!

In Sevilla bezog ich ein Studio im schönen Hotel “Casa Pureza” mitten im belebten Triana-Quartier. Das Hotel ist nicht nur sehr komfortabel, sondern gefällt mir auch ästhetisch sehr gut, da es wiederum, wie schon in Cadiz, viele marokkanisch bzw. orientalisch inspirierte Facetten hat. 

Der Torre d'Oro und die Kathedrale im Hintergrund
Alt und neu in Sevilla
Der Flamenco ist in Sevilla allgegenwärtig

Nach einigen Internet-Recherchen zu Sehenswürdigkeiten entschloss ich mich, gleich am ersten Tag die Kathedrale von Sevilla mit dem Giralda-Turm anzuschauen, eine der absoluten Haupt-Sehenswürdigkeiten in Andalusien, und wohl in ganz Spanien (Online-Reservation empfohlen). Schon nur der erste Eindruck der Kathedrale ist überwältigend, da sie sich auf keine Weise mit anderen mir bisher bekannten Kathedralen vergleichen lässt. Nebst der schieren Grösse und der Frage, auf welcher Seite der Eingang ist, fiel mir als erstes sofort die gekonnte Verbindung muslimischer und christlicher Architektur auf.

Woran erinnert mich der Giralda-Turm? Genau, an die Kutubyya-Moschee in Marrakech! Selbst hier haben sie die noch “kopiert”… wobei die Frage zu beantworten wäre, wer wen genau kopiert hat.

Nachdem man in den wunderschönen Innenhof mit vielen Orangenbäumen eingetreten ist, steht man vor einer überwältigenden Fassade der Kathedrale, welche wohl zu tagelangen, beziehungsweise jahrelangen Analysen, Betrachtungen und Vertiefungen dienen könnte.

Der prächtige Eingang der Kathedrale, umgeben von Orangenbäumen im Teil, der früher der rituellen Waschung diente
Von aussen beeindruckt die Kathedrale mit ihren riesigen Dimensionen und der trotzdem unglaublich fein gestalteten Fassade

Beim Eintreten in die Kathedrale war ich dermassen von der schieren Grösse und Schönheit überwältigt, dass ich mich dabei ertappte, wie mir ein “Madre Mia!” entwich. Die im 12. Jahrhundert gebaute Moschee wurde später in eine Kathedrale mit bis heute unvergleichbaren Ausmassen umgebaut, welche die grösste gotische Kathedrale weltweit und bis heute eine der grössten Kirchen überhaupt ist.

Der prächtig verzierte Hauptaltar
Der imposante Chor
Das wunderschöne Gewölbe im gigantischen, 30 Meter hohen Hauptschiff der Kathedrale

Die Aussicht vom Giralda-Turm war ebenfalls beeindruckend, obschon mich die Skyline von Sevilla im Vergleich zu anderen Städten weniger faszinierte.

Sicht auf die Calatrava-Brücke
Kathedrale und Innenhof
Die berühmte Stierkampfarena "Plaza de toros de la Real Maestranza de Caballería de Sevilla"

Nachdem ich vom Turm herabstieg und die Kirche wieder betrat, schaute ich mir noch einige «Nebenräume» an.

Die Sakristei
Oval geformte Renaissancekuppel im Kapitelhaus
Die Kathedrale von Sevilla ist mit Sicherheit eines der spannendsten Beispiele von westlicher und östlicher Architektur, das ich je gesehen habe

Den Tag ausklingen liess ich auf den “Setas de Sevilla”, einer modernen Holzkonstruktion (ebenfalls die Grösste der Welt), welche nicht nur eine wunderschöne Aussicht auf die Stadt bot, sondern auch eine eindrückliche Lichtshow.

Die Setas de Sevilla ist die grösste Holzstruktur weltweit
Der Aufzug zum Dach der Setas de Sevilla
Der Weg auf dem Dach
Aussichtsplattform
Aussicht auf die Kathedrale
Die Lichtshow beginnt!
Las Setas de Sevilla

5 Responses

  1. Lieber Cyril, soo schön, aber eigentlich kann ich nur «wow» sagen. Du erlebst so unglaublich viel in diesen Wochen. Geniesse es aber verlier nicht die Boden-
    Haftung. Wir freuen uns immer, wenn wir wieder etwas von dir erfahren. Alles Gute und liebe Grüsse aus Sigriswil

    1. Liebes Grosi, danke für Deinen Kommentar! Ja, die letzten Wochen waren unglaublich erlebnisreich und ich bin dankbar, dass ich so viel Erleben durfte! Ja, die Bodenhaftung will ich definitiv behalten, schon nur aus Sicherheitsgründen beim Velofahren 🙂
      Liebe Gruess, Cyril